Auszug aus der aktuellen Vereinszeitung
22.12.2010
Mut zur Patenschaft - wichtiger denn je
Aktuell 114 Bewohner und Bewohnerinnen – größtenteils Kinder, auch Jugendliche. Verstärkte Zugänge vor allem Sechs-, Sieben- und Achtjähriger im vergangenen und im laufenden Jahr. Shukovka als zentrales Waisenhaus im Brjansker Gebiet mit der Perspektive, demnächst 160 bis 170 Mädchen und Jungen zu beherbergen. Die aktuellen Informationen widerlegen sowohl zurückliegende Schließungsgerüchte als auch die in der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise aufgegebene Praxis, Waisenkinder in Pflege- und Adoptivfamilien unterzubringen.
Dies sollte Anlass sein, über den Umgang mit unseren Patenschaften nachzudenken.
Zunächst noch ein paar Zahlen: Aktuell bestehen nur noch 16 Patenschaften mit Kindern, die noch im Waiseninternat leben, was einerseits an Adoptionen und Vermittlung ehemaliger Patenkinder in Pflegefamilien liegt, hauptsächlich jedoch der fortschreitenden Zeit geschuldet ist, die Patenkinder erwachsen werden und damit ins Leben entließ. Zu immerhin 20 bis 25 längst erwachsenen Patenkindern besteht nach wie vor Kontakt über Inna Bass, die Ältesten sind nun schon über 30 Jahre alt.
Diese bestehenden Kontakte sollten Mut machen, eine Patenschaft einzugehen. Sie ist eine wundervolle Erfahrung und gibt den Pateneltern in der Regel ein Vielfaches der investierten Gedanken und Gefühle zurück.

Es entsteht eine Beziehung auf Jahre. Sie beginnt mit dem Kennenlernen im Sommercamp in Hameln und gibt den Kindern lange über die zwei Wochen hinaus Zuneigung, Unterstützung und das Gefühl, dass sie jemandem, und sei der auch noch so weit entfernt, am Herzen liegen.
Die Patenschaft soll individuell ausgestaltet werden – die Paten entscheiden selbst, mit wieviel Zeit, Emotionen und auch Geld sie sich einbringen. Sie gehen keine vertragliche Verpflichtung ein, sollten jedoch bereit sein, die Beziehung zu ihrem Patenkind zu pflegen, indem sie regelmäßig Briefe, z.B. mit Fotos oder auch von jüngeren Familienmitgliedern gemalten Bildern, mitschicken. Hier soll die alte Tradition, dass vor den Fahrten Briefe und Päckchen abgegeben werden können, wiederbelebt werden. Und auch ein Besuch der Kinder in Shukovka ist im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Vereinsfahrten möglich. Natürlich waren Mitglieder in der Vergangenheit enttäuscht, wenn ihre Patenkinder in Familien, z.T. sogar nach Amerika vermittelt wurden und der Kontakt auf diese Weise abbrach. Dazu ist einerseits festzustellen, dass der Verein keinen Einfluss darauf hat, andererseits aber auch, dass dies nicht mehr die übliche Praxis ist und somit die Chance besteht, die Kinder über Jahre beim Aufwachsen zu begleiten.

Katja 2008 zu Gast in Hameln
Welche Perspektiven sehen wir für unsere Patenschaften?
Nachdem wir uns in den vergangenen Jahren stark auf bestehende Patenschaften verlassen hatten, gilt es nun, sich auf die Vermittlung neuer zu konzentrieren. Dies wird auch von der Leitung des Waiseninternats ausdrücklich mitgetragen. Sie, liebe Mitglieder und Noch-nicht-Mitglieder, sind also herzlich dazu eingeladen, die Kinder im kommenden Camp kennenzulernen, sie zu besuchen, evtl. etwas mit ihnen zu unternehmen und sich dabei nach dem Interesse an einer Patenschaft selbst zu befragen.
Und noch eine Frage tut sich auf: Wie verfahren wir bei unseren Besuchen in Shukovka mit den Kindern, die keine Paten haben? Ein individueller Brief für jedes Kind ist denkbar, im Sinne einer Vereinspatenschaft. Wir könnten uns zum Verfassen dieser Briefe treffen wie in einer mittelalterlichen Schreibstube. Wir könnten Hamelner Kinder gewinnen, derartige Briefe zu verfassen, zum Beispiel über die Grundschulen. Das Ziel bleibt, ALLEN Kindern in Shukovka das Gefühl zu vermitteln, dass wir, ihre Freunde in Hameln, für sie da sind, dass wir oft an sie denken und uns auf ein Wiedersehen im Sommercamp oder sogar in Shukovka freuen.

Shukovka Kinder 2010 bei uns an der Weser
Sigrun Hegenbarth-Eimer