Auszug aus der Vereinszeitung Dezember 2010
Von Dr. Alexander Tschislin

 
02.12.2010

Tschernobyl! – Immer noch erkranken und sterben Kinder an den Folgen der Reaktorkatastrophe

Von Dr. Alexander Tschislin, Chefarzt und Direktor des Gebietskinderkrankenhauses in Brjansk
Der GAU in Tschernobyl ist eine der größten Katastrophen in der Geschichte der Menschheit. Aufgrund der Stärke der Explosion des Reaktors im Atomkraftwerk am 26. April 1986 lässt kann sie als eine der furchtbarsten Tragödien des XX. Jahrhunderts bezeichnet werden. 14 Regionen der Russischen Föderation wurden infolge dessen radioaktiv verseucht und am schlimmsten darunter – das Brjansker Gebiet.


 

Zurzeit wohnen 39.000 Kinder in den südwestlichen Bezirken des Brjansker Gebiets, in denen die radioaktive Belastung mehr als 5 Ci je Quadratkilometer beträgt; weitere 15.000 Kinder auf dem Territorium mit einer radioaktiven Belastung von mehr als 15 Ci je Quadratkilometer (Normalwert: 0 Ci). Wegen des bei Kindern noch aktiven Knochenwachstums und des noch nicht ausgereiften Immunsystems sind sie von den Folgen der hohen radioaktiven Strahlung besonders stark betroffen. Bei den regelmäßigen, auch kleinen radioaktiven Dosen steigt bei ihnen, in Verbindung mit anderen Faktoren, das Risiko der Entwicklung bestimmter Krankheiten.
Die Häufigkeit, dass Kinder in den betroffenen Regionen erkranken, wächst ständig und ist um 23,9 % höher als die analoge Durchschnittserkrankungsziffer im restlichen Brjansker Gebiet und um 24 % höher als in Russland im Durchschnitt. Eine besonders negative Folge der radioaktiven Belastung ist die Tendenz der Steigerung der autoimmunen und bedingten Schilddrüsenerkrankungen.
Höchst beunruhigend ist die Zunahme der Geschwulstbildungen und Bluterkrankungen. Zurzeit wohnen im Gebiet 450 Kinder mit bösartigen Geschwülsten. Die allgemeine Geschwulstbildung bei den Kindern im Brjansker Gebiet ist um fast 30 % höher als die entsprechenden Durchschnittzahlen in Russland. Bösartige Geschwülste nehmen den dritten Platz unter anderen Ursachen der Kindersterblichkeit ein.
Das waren die wichtigsten Gründe, die zur Entscheidung über den Bau eines Kinderkrebszentrums führten, in dem alle erforderlichen Voraussetzungen zur Diagnostik und Behandlung geschaffen werden.


2007 und 2008 fanden im Gebiet zwei Wohlfahrtsmarathonaktionen statt mit dem Ziel, Geld für den Entwurf und den Bau des Diagnose- Zentrums zu sammeln.
Es ist sehr angenehm, dass der Verein „Freunde für Kinder in Brjansk“ daran auch teilgenommen hat und zu einem der Grundsponsoren geworden ist.
Die Ärzte des Gebietskinderkrankenhauses, die erkrankten Kinder und ihre Eltern danken Euch für Eure Hilfe!



Dr. Alexander Tschislin

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